Was man über „Natural Wines“ wissen sollte

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Bereits seit geraumer Zeit tauchen in Weinregal, Weinkarte und auch in Gesprächen immer wieder die Begriffe „Natural Wines“, „Biowein“ oder auch „biodynamischer Weinbau“ auf. Wissen Sie was es damit auf sich hat und worin der Unterschied zu einfach nur Wein besteht? Ich habe vor dem Wein- und Kulinarikfestival „MondoVino“ am 23. und 24. November 2018 im Wiener MAK bei WEIN & CO.-Geschäftsführer Paul Truszkowski nachgefragt:

Was ist unter Natural Wines zu verstehen?
Natural Wines stellen ein Abenteuer jenseits gewohnter Geschmackswelten dar. Diese biodynamischen Weine können überraschen, begeistern, aber auch Verwunderung auslösen. Natural Wines versuchen der Gleichförmigkeit industriell erzeugter Weine eine bunte Vielfalt entgegenzusetzen.  
Wie wird ein solcher Wein hergestellt?
Alles beginnt hier in den Weinbergen: Die biologisch-organische oder biodynamische Bewirtschaftung ist die Grundlage der Natural Wines. Das bedeutet, dass der Winzer auf systemische Spritzmittel verzichtet. Im Keller werden weiter möglichst keine Zusätze wie Hefe, Säure, Tanninpulver oder önologische Verfahren wie Konzentration eingesetzt. 
Welche Standards müssen eingehalten werden?
Dazu gibt es keine allgemeingültige Definition. Aber im Großen und Ganzen kann man zusammenfassen: Trauben aus biologischem Anbau werden mit möglichst wenigen Eingriffen im Keller und niedriger bis keiner Schwefelgabe zu Wein gemacht. 
Gibt es unterschiedliche Natural Wines?
So wie bei den konventionellen, „normalen“ Weinen gibt es bei Natural Wines viele unterschiedliche Varianten. Da gilt: Probieren geht über Studieren.
Gibt es sowohl rote, als auch weiße Bio-Weine?
Es gibt rote, weiße aber auch orangene Weine. Die „Orange Wines“ sind eigentlich Weißweine, die jedoch wie Rotwein ausgebaut werden: Die Pressung der Trauben erfolgt nicht direkt nach der Lese, sondern diese mazerieren im eigenen Saft. Manchmal ein paar Stunden, manchmal ein paar Tage oder auch Wochen. Dabei werden Farbstoffe aber auch Tannine aus den Schalen extrahiert. Dadurch bekommt der Wein eine fast schon orange Farbe. Orange Wines können als Variation der Natural Wines bezeichnet werden.
Was ist der Unterschied zu herkömmlichen Weinen, warum sind diese nicht Bio?
Der größte Unterschied liegt im viel breiteren Geschmackserlebnis. Aber wie schon oben erwähnt, liegt der Unterschied im Herstellungsverfahren. 
Warum sind Natural Wines trüber?
Sie können, müssen aber nicht trüber sein. Manche Natural Wines werden unfiltriert abgefüllt, wie auch manche normale hochwertige Rotweine.
Gibt es auch einen geschmacklichen Unterschied zu herkömmlichen Weinen?
Ja, anstatt einer „reintönigen“ Stilistik bieten Natural Wines ein ganzes Spektrum an Geschmackserlebnissen – wenn man sich darauf einlässt. 
Muss ich beispielsweise bei der Lagerung oder der Kühlung anders vorgehen, als gewöhnlich?
Gute Natural Wines sollte man genauso behandeln wie alle Weine: Nicht in die Sonne stellen und am besten bei konstanten, kühlen Temperaturen lagern. 
Warum werden nicht alle Weine als Natural Wines hergestellt?
Das liegt vor allem daran, weil Geschmäcker verschieden sind. 
Handelt es sich nur um einen Trend oder werden uns derartige Bio-Weine noch länger begleiten?
Natural Wines sind mehr als ein Trend. Ich würde es als einen Horizonterweiterung bezeichnen. Voraussetzung ist hier natürlich, dass der Winzer sein Handwerk beherrscht, denn dann kann der Weintrinker neue Geschmackswelten erleben. Und das ist ja das Schöne an der faszinierenden Welt der Weine. Die große Bandbreite an guten Tropfen ermöglicht nicht nur ein geschmackliches, sondern immer wieder ein neues Erlebnis.

MondoVino 2018

Freitag, 23.11.2018: 15.00 – 21.00 Uhr
Samstag, 24.11.2018: 15.00 – 21.00 Uhr

MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst
Stubenring 5, Eingang Weiskirchnerstraße
1010 Wien

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