Sport in der Schwangerschaft: Wie viel ist noch gesund?

Wenn es um Sport während der Schwangerschaft geht, gehen die Meinungen auseinander. Während die einen noch einen Tag vor dem errechneten Geburtstermin Joggen gehen, sind andere der Meinung, nicht einmal die Arme über den Kopf heben zu dürfen und auch das Hüpfen besser sein zu lassen.

Was ist nun tatsächlich möglich und was sollte man lieber bleiben lassen? Ich durfte dank MAM Babyartikel bei Hebamme Anna-Magdalena Reh genauer nachfragen und weit verbreitete Mythen aufdecken:

Soll man in der Schwangerschaft überhaupt Sport betreiben?

In einer gesunden Schwangerschaft ist körperliche Aktivität immer anzuraten. Sport hat unzählige positive Auswirkungen auf Mutter und Kind. Es empfiehlt sich daher unter Voraussetzung einer normal verlaufenden Schwangerschaft, Sport zu betreiben.

Sollte man dabei kürzertreten als normal?

Schwangere müssen lernen beim Sport sehr gut auf ihren Körper zu hören und Warnsignale des Körpers zu beachten. Warnsignale des Körpers sind zum Beispiel Schwindel, Brustschmerzen, vaginale Blutung, Hartwerden des Bauches, aber auch Muskelverspannungen. Je nach Ausmaß an Sport vor der Schwangerschaft, sollte jede Frau in der Schwangerschaft die Intensität ihres Trainings anpassen. Aktuelle Studien sagen, dass Frauen, die vor der Schwangerschaft keinen Sport betrieben haben, mit mäßiger Intensität trainieren sollten, während Frauen, welche schon vor der Schwangerschaft aktiv waren, ruhig mit starker Intensität trainieren dürfen. Leistungssportlerinnen stehen oftmals in der Gefahr sich in Trainingssituationen zu übernehmen. Jede Art von Sport sollte zuerst mit dem behandelnden Gynäkologen besprochen werden.

Macht es Sinn auf speziellen Schwangerensport umzusteigen, wie Yoga für Schwangere?

Dem ist sehr anzuraten, denn gerade bei Yoga sind zum Beispiel nicht alle Arten für Schwangere geeignet. Es macht Sinn, bei jeder Sportart, Intensität und Ausmaß an die Schwangerschaft anzupassen, beziehungsweise den Arzt oder die Hebamme zu konsultieren ob dies sinnvoll ist.

Welche Formen von Aktivität werden in der Schwangerschaft besonders empfohlen?

Wandern, Joggen, Radfahren, Schwimmen, Pilates, Nordic Walking und einige Formen von Yoga.

Gibt es Sportarten, die man unterlassen sollte?

Vermeiden sollte man Manschaftssportarten und alle Sportarten, die ein erhöhtes Verletzungsrisiko bergen, wie zum Beispiel Tauchen, Skifahren oder Reiten. Auch alle Kampfsportarten sollten während der Schwangerschaft gemieden werden.

In welcher Form wirkt sich körperliche Aktivität in der Schwangerschaft auf das Baby aus?

Sport hat definitiv eine Auswirkung auf die Gesundheit des Babys. Während die Mutter trainiert, trainiert das Baby sozusagen mit. Man konnte inzwischen feststellen, dass Kinder von Müttern, die in der Schwangerschaft aktiv waren, ebenfalls einen Trainingseffekt erzielen konnten und in weiterer Folge einen niedrigeren Ruhepuls hatten.

Was für positive Auswirkungen kann Sport in der Schwangerschaft auf eine Schwangere und ihren Körper haben?

Gesteigertes Wohlbefinden, Steigerung der körperlichen Fitness, gestärktes Selbstvertrauen, Linderung von Schwangerschaftsbeschwerden, verminderte Gewichtszunahme, verringertes Risiko für Gestationsdiabetes und Präeklampsie bzw. positiver Einfluss auf Krankheitsverlauf, postpartal kann körperliche Aktivität das Risiko für Wochenbettdepression und depressive Verstimmungen mindern.

Kann Sport in der Schwangerschaft auch negative Auswirkungen auf Mutter oder Kind haben?

Unter Berücksichtigung aller oben genannten Faktoren und wenn keine Kontraindikationen vom Arzt festgestellt wurden, hat Sport keine negative Auswirkung auf Mutter oder Kind.

Wann sollte eine Schwangere von körperlicher Aktivität absehen?

Absolute Kontraindikationen für Sport in der Schwangerschaft sind zum Beispiel Herzerkrankungen, Lungenerkrankungen, Zervixinsuffizienz (Muttermundschwäche), Plazenta praevia (tiefliegende Plazenta), vorzeitiger Blasensprung oder vorzeitige Wehentätigkeit. Aber auch relative Kontraindikationen wie zum Beispiel schwere Anämie, chronische Bronchitis, Nikotinabhängigkeit, Epilepsie, starkes Über- oder Untergewicht, sollten immer mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.

Kann Sport zu einer einfacheren Geburt beitragen?

Sport wirkt sich auf verschiedenste Weise positiv auf die Geburt und den Geburtsverlauf aus. Auf Grund der besseren Körperkontrolle, haben Gebärende, die während der Schwangerschaft körperlich aktiv waren, erwiesener Maßen weniger Geburtsverletzungen. Auch die verbesserte Kondition, erleichtert Gebärenden die Geburt. Aber auch dem Baby kann man durch Bewegung vor allem gegen Ende der Schwangerschaft helfen, den Weg ins Becken leichter zu finden. Und auch während der Geburt kann man durch Bewegung dem Kind helfen, sich mit dem Kopf richtig durchs Becken zu drehen.

Und wie sieht es mit Sport nach der Geburt aus? Für viele Neo-Mütter ist  – oft der eigene -Druck groß binnen kürzester Zeit wieder das Wunschgewicht zu erreichen. Hier rät Anna-Magdalena Reh, es langsam anzugehen: „Der Körper hat sich neun Monate lang verändert. Ebenso viel Zeit sollte man ihm auch geben, um sich wieder zurückzubilden. Ich kann nur jeder Frau raten, nach der Geburt wieder körperlich aktiv zu werden, die Palette an positiven Auswirkungen auf psychisches und physisches Wohlergehen ist groß. Allerdings sollte mit moderatem Sport frühestens sechs Wochen nach der Geburt begonnen werden und jeder Wiederaufnahme sportlicher Aktivität sollte ein ausgiebiges Beckenbodentraining vorangehen.“

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